Der Satz auf der Rückseite
Raffiniertes Olivenöl: was der Kleingedruckte bedeutet
Auf vielen Flaschen steht hinten ein vorgeschriebener Satz: "Olivenöl – besteht aus raffinierten Olivenölen und nativen Olivenölen." Vorne steht nur "Olivenöl". Was dazwischen liegt, ist ein ganzer Verarbeitungsschritt.
Die vier Kategorien
Die EU kennt vier Stufen, und nur die ersten beiden kommen ohne chemische Behandlung aus.1
| Natives Olivenöl extra | Mechanisch gewonnen, Säure unter 0,8 %, kein sensorischer Fehler. Die Polyphenole sind noch drin. |
|---|---|
| Natives Olivenöl | Ebenfalls mechanisch, aber Säure bis 2,0 % und leichte sensorische Fehler erlaubt. Im deutschen Handel selten. |
| Olivenöl (die Mischung) | Raffiniertes Öl plus ein Anteil nativen Öls. Trägt den vorgeschriebenen Satz auf der Rückseite. Das ist es, was in den meisten großen Flaschen steckt. |
| Lampantöl | Die unterste Stufe. Ohne Raffination nicht als Lebensmittel verkehrsfähig; der Name stammt daher, dass es früher in Lampen gebrannt wurde. |
Was beim Raffinieren verschwindet
Entsäuern, bleichen, desodorieren. Am Ende steht ein hellgelbes Öl ohne Geruch und fast ohne Geschmack. Das ist der Zweck: Fehler entfernen. Nur lassen sich Fehler nicht gezielt entfernen — es geht alles mit, auch das, wofür man natives Öl kauft.
Was bleibt, ist das Fettsäureprofil. Was geht, sind die Polyphenole, die Bitterkeit, das Kratzen im Hals und der grasige Duft. Deshalb wird ein Anteil nativen Öls zugemischt: sonst schmeckte das Ergebnis nach nichts.
Warum das trotzdem seine Berechtigung hat
Ein Teil jeder Ernte erfüllt die Anforderungen nicht. Zu spät gepflückt, zu lange in der Kiste, angegoren. Ohne Raffination wäre das Abfall. Ein hitzestabiles, neutrales Bratfett daraus zu machen ist vernünftig, und zum Frittieren ist es sogar die bessere Wahl.
Unser Einwand richtet sich nicht gegen das Verfahren, sondern gegen die Verpackung. Vorne ein Olivenzweig und das Wort Olivenöl, hinten in Sechs-Punkt-Schrift der Satz, der erklärt, dass es überwiegend raffiniert ist. Rechtlich einwandfrei, und trotzdem kauft kaum jemand bewusst, was er da kauft.
Häufige Fragen
Was uns dazu gefragt wird
Was heißt "Olivenöl – besteht aus raffinierten Olivenölen und nativen Olivenölen"?
Genau das, was dasteht, und es ist eine eigene gesetzliche Kategorie. Der Inhalt ist überwiegend raffiniertes Öl, dem ein Anteil nativen Öls beigemischt wurde, damit es überhaupt nach etwas schmeckt. Dieser Satz ist vorgeschrieben; er steht klein auf der Rückseite, während vorne groß "Olivenöl" prangt.1
Ist raffiniertes Olivenöl schlecht?
Es ist nicht verdorben und nicht ungesetzlich; es ist ein anderes Produkt. Zum Frittieren ist es sogar praktischer, weil es hitzestabil und geschmacksneutral ist. Das Problem ist nicht das Öl, sondern dass die Verpackung selten deutlich macht, was drin ist.
Was passiert beim Raffinieren?
Das Öl wird entsäuert, gebleicht und desodoriert, meist unter Hitze. Danach ist es hellgelb, geruchsarm und praktisch geschmacklos. Die freien Fettsäuren sind weg, die sensorischen Fehler sind weg — und die Polyphenole ebenfalls, denn die überstehen diesen Prozess nicht.
Warum wird überhaupt raffiniert?
Weil ein Teil jeder Ernte die Anforderungen an natives Öl nicht erfüllt. Zu spät geerntet, zu lange gelagert, angegoren. Dieses Lampantöl darf ohne Behandlung nicht als Lebensmittel verkauft werden. Raffination macht daraus ein verwendbares Produkt statt Abfall. Das ist ein sinnvoller Vorgang — solange auf der Flasche steht, dass er stattgefunden hat.
Was die oberste Kategorie garantiert, steht auf natives Olivenöl extra. Welches Öl in die Pfanne gehört, steht auf Olivenöl zum Braten.
Quellen
- Europäische Kommission (1991). Verordnung (EWG) Nr. 2568/91, Anhang I: Merkmale der Olivenölkategorien. Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften, L 248. Ansehen
- Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (2025). Untersuchungsergebnisse Olivenöl. CVUA Stuttgart. Ansehen Amtliche Prüfungen eines Landesuntersuchungsamts. Von den als nativ extra verkauften Ölen wurde ein erheblicher Teil abgewertet.